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Hochwasserschutz- und Ökologieprojekt Hockenheim

Der Kormoran

Dieser Vogel, so müssen wir gleich zugeben, ist ein brisantes Tier. Er ist in emotional geführte politische Kontroversen verwickelt, bei denen es um seine Herkunft geht, wurde als Bedrohung der Fische geschmäht und als Feind der Bäume. Mehrere dieser auffallenden Tiere werden nun seit einiger Zeit am HÖP-Gelände beobachtet. Unser Bild zeigt sieben Exemplare auf der großen Kastanie bei der Gastwirtschaft. Es wird eine spannende Frage sein, ob und wo sie sich ihre Nistplätze aussuchen werden.

Der etwa gänsegroße Kormoran (Phalacrocorax carbo) nimmt seine dekorative Pose mit ausgebreiteten Flügeln ein, weil er kein ganz wasserfestes Federkleid hat. Er verbringt daher viel Zeit damit, sein Gefieder zu trocknen. Beim Schwimmen steht ihm das Wasser buchstäblich bis zum Hals, er liegt sehr tief, weil seine Knochen weniger Luft enthalten als die anderer Vögel; dies und sein durchnässendes Gefieder mindern den Auftrieb und machen ihn schnell und beweglich beim Tauchen. Sein Kot bewirkt in der Tat Verätzungen, die die Bäume in den Nistkolonien allmählich absterben lassen.

Der Wasservogel lebt von Fischen und wurde deshalb früher unerbittlich verfolgt, bis er fast ausgestorben war. Mittlerweile gibt es in Deutschland wieder etwa 25.000 Brutpaare, von denen über die Häfte in großen Kolonien an den Küsten lebt. Der Kormoran ist sowohl ein Teilzieher als auch ein Zugvogel. Die Ostseepopulation zieht über Land und überwintert von Süddeutschland bis Nordafrika. Altvögel verlassen die Brutgebiete im Oktober und November und ziehen von Ende Januar bis März wieder zurück. In Baden-Württemberg zählte die LUBW für das Jahr 2018 einen Bestand von 1.243 Paare an 19 Brutstandorten. Am Oberrhein gibt es Brutplätze auf badischer Seite von Süden auf Höhe Kappel bis auf Höhe Schwetzingen im Norden an jeweils sieben Standorten mit zusammen etwa 539 Paaren. Kormorane in einer Brutkolonie im nordbadischen Raum sehen Sie in der Abbildung unten.

Kormoran-Kolonie

Es gibt zahlreiche Indizien dafür, dass Kormorane nicht für einen signifikanten Rückgang der Fischbestände verantwortlich sind, sondern viel mehr die üblichen zivilisatorischen Schädigungen, Verbauungen und Verschmutzungen, die wir Menschen der Natur zufügen.

Der NABU Schleswig-Holstein weist darauf hin, dass der Kormoran auch kein “böser” eingewanderter Vogel ist, was ihm schon unterstellt wurde. Man versuchte offenbar, die politischen Vorbehalte mancher Menschen gegenüber Fremden gegen den Vogel zu instrumentalisieren. Eine Kieler Studie weist aber nach, dass der Kormoran eine heimische Art ist und seit mindestens 7.000 Jahren in Europa nachgewiesen werden kann.

Der Name Kormoran ist übrigens eine Wortbildung aus dem lateinischen Corvus marinus = Meer-Rabe. Und genau so sieht er ja auch aus, oder? Wikipedia gibt uns noch einen lustigen lautmalerischen Eindruck von seinem wohl ebenfalls rabenartigen Ruf, nämlich „chroho-chroho-chroho“ oder auch „kra-orrr“ oder „à-orrr”.

Weitere Informationen zum Kormoran beim LBV und beim NABU beim BUND sowie bei GEO.

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